Freundesbrief Herbst 2019

Liebe Freunde,

wie geht´s dem Rebell in Ihnen? Dem inneren Kind, dem mutigen Löwen? Ach, den kennen Sie gar nicht? Haben Sie gar nicht? Alles Quatsch?! Oder lieben Sie Metaphern dafür, was Sie alles in sich vorfinden, Metaphern, die greifbar machen, welche verschiedenen Facetten, Rollen, Kompetenzen, aber vielleicht auch Widersprüche und Herausforderungen sich in Ihrer Persönlichkeit vereinen?

Zwei therapeutische Konzepte, die die innere Vielschichtigkeit gut abbilden helfen, sind die des inneren Teams und des inneren Kindes.
Das innere Team macht die bunte Vielfalt an verschiedenen Rollen und Persönlichkeitsfacetten deutlich, die sich im Laufe des Lebens entwickeln und je nach Situation aktiv sind: hier der Geschäftsmann, da der Partner, der Vater, hier der musische Teil, da der Kritiker, der Realist... - Oder da die Kämpferin, die Mutige, die Einsame, Verzagte... Wer von den inneren Anteilen meldet sich wann mit seinen Bedürfnissen? Und lässt sich aus der Vielzahl der Stimmen ein gelungenes Zusammenspiel, ein guter Konsens entwickeln?
Das Konzept des inneren Kindes verschafft Zugang zu den eigenen kindlichen Erfahrungen und Mustern. Denn diese sind ja ganzheitlich als „Lebensgefühl“ in Form von neuronalen Netzwerken im Gehirn repräsentiert und können je nach Situation wieder angestoßen werden. Zur Freude, wenn man z.B. an die Intensität kindlicher Unmittelbarkeit wieder angeknüpfen kann, oder erschreckend, wenn plötzlich alte Ohnmachts- oder Schmerzerfahrungen wieder angerührt werden.

Gerade für traumatisierte Menschen ist es hilfreich, ihre innere Vielschichtigkeit besser kennenzulernen. Sich zu fragen, warum bin ich, wie ich bin, warum reagiere ich in bestimmten Situationen so, obwohl ich sonst ganz anders bin oder zumindest gerne anders sein würde?

Das Tolle ist: ich kann als Erwachsener mit meinem „inneren Kind“ in Beziehung treten, das aufgreifen, was offen geblieben ist, was Eltern, andere Menschen mir nicht geben konnten und dem begegnen. Ich kann lernen, dem inneren Kind die Sicherheit und den Rückhalt zu geben, die es braucht. Oder auch es in die Begegnung mit Gott zu führen.

Ein solches behutsames Kennenlernen und Zuwenden zu sich selbst schildert auf der Rückseite eine Ratsuchende. Ihr inneres Kind hat ähnliche Eigenschaften wie Pippi Langstrumpf. Diese hat tolle Stärken, die gerade für in sich verunsicherte oder sehr angepasste Menschen enorm wichtig sein können.  
Spannend finde ich in diesem Zusammenhang auch, dass ihr dabei auffiel, dass Pippi Langstrumpf bei all ihren Stärken ein unerlöstes Sein lebte, worin sich die Ratsuchende auch wieder erkannte: Keine Mutter, ein meist abwesender Vater - und wenn er mal da ist, muss sie sich um ihn kümmern. Ansonsten muss sie alleine zurechtkommen, entwickelt dabei enorme Kompetenzen und Stärken, läuft mit eher speziellen Kleidern herum, gibt sich Befehle, um ihre Schüchternheit zu überwinden…  

Es ist schön, in der Therapie mitzuerleben, wie Menschen von Gott gesehen und berührt werden und Heilung geschieht, befreites Leben möglich wird. Wir haben einen wunderbaren Gott!

Simone & Wigand Schritt

 

„Seit drei Jahren werde ich in der Beratungsstelle kompetent und fachmännisch in einer Traumatherapie begleitet. Dort lerne ich u.a., mich immer besser um mein inneres Team zu kümmern, damit es mir gut geht.

Zu meinem inneren Team gehört die 12-jährige „Pippi“. Sie ist die Rebellin in mir, deren Mutter sich nicht wirklich um sie kümmern konnte und deren Vater abwesend und schwach war. Sie hat sich damit abgefunden, ihr Leben selbst auf die Reihe kriegen zu müssen. Ein bisschen Rache ist auch mit dabei: „Das habt ihr nun davon!“ Diese Rebellin geht, sich selbst überschätzend, oft Risiken ein und mobilisiert Bärenkräfte. Sie ist gut gelaunt und lässt sich nicht unterkriegen. Aber sie ist auch allein… Diesen Anteil in mir mag ich von Anfang an besonders gern. Die Pippi bringt Schwung und Freude in mein Leben. Sie hat mir als Kind geholfen zu überleben und meinen eigenen Weg zu gehen. Mit ihr habe ich schon vieles durchgekämpft. Ich habe ihr viel zu verdanken.

Pippi wird erlöst
Als ich mich mal wieder eingehender mit diesem eigenwilligen Wesen in mir beschäftige, fällt mir auf, dass diese Pippi sehr autonom lebt. Sie macht das alles ohne Gott. Sie kann ihm nicht vertrauen und hat große Angst, er könnte ihr noch mehr Schaden zufügen. Sie lebt aus eigener Kraft und hegt Misstrauen gegen die ganze Welt. Sie versteckt sich hinter Verbitterung, Hartherzigkeit, Spott, Verurteilung, Hochmut und Arroganz. Diese Pippi lebt nach dem Motto: „Ich will niemals wieder jemanden um Hilfe bitten! Ich kann das alleine!“ Und gleichzeitig steckt hinter der starken Fassade ein sehr verletzliches Kind. Insgeheim hat sie einen Riesenhunger nach Liebe, Annahme, Wertschätzung und Ehre. In einem Bild sehe ich ein hilfloses, schwaches und nacktes Mädchen, das sich in einem dunklen Zimmer zusammenkauert. Es versteckt sich aus Furcht und Beschämung. Als ich die Tür öffne, schaut es geblendet in meine Richtung. Das Mädchen ist erleichtert, dass ich es endlich entdeckt habe. Schon so lange hat es darauf gewartet. Wie selbstverständlich lässt es sich herausführen und setzt sich mit an den Tisch mit den anderen inneren Kindern. Dort ist ihm ein Platz freigehalten worden. Hier gehört es hin und hier fühlt es sich wohl.
 
Dieses Bild berührt mich sehr und es fließen viele Tränen. Hier ist etwas in mir heil geworden. Und es fühlt sich an wie: Endlich gehöre ich dazu. Endlich kann ich den Platz ausfüllen, der für mich im Leben frei gehalten ist. Endlich muss ich mich nicht mehr verstecken. -- Ich freue mich über diesen Anteil in mir, den ich fortan „tapfere Kämpferin“ nennen will. Sie ist stark, kann kämpfen, hält Widerstand aus und tut immer noch ungewöhnliche Dinge. Nun aber nicht mehr aus Rebellion heraus, sondern weil sie zuerst nach Gottes Willen und Weg fragt. Sie weicht nicht mehr hinter ihre Position im Leben zurück. Sie liebt Risiken, weil sie Gott alles zutraut. Und was ich besonders liebe an ihr: Sie reitet wie wild auf einem Pferd durch die Landschaft, genießt das Leben und sucht Abenteuer. Sie ist begeisterungsfähig und kann andere mitreißen. Und wer weiß, was sich da noch so alles entwickelt…

Danke, Herr, dass du behutsam Heilung für mein Innenleben schenkst!“

 

Unser Beratungs- und Psychotherapieangebot finanziell jedem möglich machen - das bewegt uns und fordert uns manchmal ganz schön heraus!

Wir sind stolz auf unser solidarisches Prinzip: unsere Spender ermöglichen es, dass wir jedem - unabhängig von seiner finanziellen Situation - Beratung und Psychotherapie anbieten können, die für ihn leistbar ist.
Dadurch, dass wir den Honorarsatz dem Einkommen anpassen, ist schon Unglaubliches möglich geworden! Aber so deckt nur etwa jedes 4. Honorar die tatsächlichen Gesprächskosten und jährlich werden rund 30.000 € an Spenden benötigt um dies zu überbrücken. Und so suchen wir immer wieder nach Menschen, die durch einmalige oder regelmäßige Spenden zu Ermöglichern wertvoller therapeutischer Prozesse werden!

 

Für unseren Freundesbrief vom Winter 2018/19 bitte hier klicken

Für unseren Freundesbrief vom Sommer 2018 bitte hier klicken

 

Ambulante Regressions-Therapie – Einstiegsmodul

Für viele Menschen gehören mehr oder weniger störende Symptome zum Lebensalltag.

Schmerzen, Verspannungen, chronische Erkrankungen, Emotionale Störungen, Ängste/Zwänge oder Traumafolgen können die Lebensqualität nachhaltig beeinträchtigen. Häufig liegen die Ursachen dafür im Dunkeln und eine Linderung scheint kaum möglich.

Die Ambulante Regressionstherapie (ART) ist eine tiefenpsychologisch fundierte Therapie und traumatherapeutische Methode. Sie eröffnet einen selbstbestimmten und schonenden Weg zum Klären von Ursachen störender körperlicher und/oder psychischer Symptome.  An eigenen Wahrnehmungen entlang gehen Menschen selbstbestimmt zurück zu auslösenden lebensgeschichtlichen Ereignissen – manchmal bis hin zur frühesten Phase der Entwicklung im Mutterleib. Häufig stellt sich heraus,  dass eigene Wahrnehmungen, insbesondere störende Symptome eine Hinweisfunktion auf nicht verarbeitetes Erleben haben. Menschen erfahren in der Therapie, sich selbst zu verstehen und gewinnen dadurch Selbstakzeptanz und Autonomie.

Das Einstiegsmodul bietet psychologisch, medizinisch oder pädagogisch tätigen Fachpersonen die Möglichkeit, einen Einblick in die  ART zu gewinnen und die Therapiemethode durch Selbsterfahrung kennenlernen zu können. Ebenso bietet es allen Interessierten die Möglichkeit, die ART kennenzulernen, um für sich herauszufinden, ob es eine für sie persönlich sinnvolle Psychotherapie sein könnte.

Aufbauend auf diesem Einstiegsmodul wird 2020 eine zweijährige Fachfortbildung angeboten, in deren Rahmen eine Qualifizierung zur ART-Therapeut*in möglich ist.

Termin: 06.09.2019, 16.00 Uhr bis 20.00 Uhr + 07.09.2019, 9.00 Uhr bis 16.00 Uhr

Ort:        Christlich-Psychologischer Beratungsdienst, Steinweg 20, 38518 Gifhorn

Kosten Einstiegsmodul: 150 €

Referenten:

Elke Mrosek (Diplom-Sozialpädagogin/Sozialarbeiterin, Heilpraktikerin für Psychotherapie, Fachberatung für Kindertagesstätten)

Irene Behrmann (MA Erziehungswissenschaften, Heilpraktikerin für Psychotherapie)

Wigand Schritt (Studium der Christlichen Psychologie, Heilpraktiker für Psychotherapie, Traumatherapie und EMDR